Vom Schneidern
Schneidern ist nicht einfach schneidern,
den Schnitt schnell auf den Stoff gesteckt.
Vielmehr ist’s die Kunst vom Kleiden,
die der Schneider Sinne weckt.
Sehr genau die Menschen kennen,
um ihr Bestes zu betonen.
Anderes beim Namen nennen
und vertuschen dann die Zonen.
Den Kleidern eine Seele geben,
die nur ein Einzelstück erhält.
Etwas von sich schenken eben
und es trotzdem tun für Geld.
Die Kundin soll beflügelt sein,
soll sich wichtig fühl’n und schön.
Hier wird für sie ganz allein
ein kleines Wunderwerk entsteh’n.
Sie soll sich tief verstanden wissen,
dann will sie gar nichts and’res mehr.
Denn das alles wird sie missen,
kauft sie beim Konfektionär.
Dieser Eintrag stammt vom 3. April 2005